Niere · Tumorchirurgie

Nierentumor – den Tumor entfernen, die Niere behalten

Wo der Befund es zulässt, wird nur der Tumor entfernt und nicht das Organ.

  • Ziel

    Organerhalt

    Teilresektion, wo der Befund es zulässt

  • Zugang

    Roboterassistiert

    wenige Zugänge statt großem Flankenschnitt

  • Maßstab

    Nierenfunktion

    jedes erhaltene Gewebe zählt dauerhaft

Die Erkrankung

Die Nieren filtern das Blut und bilden Harn. Von einem Nierentumor spricht man, wenn Zellen der Niere unkontrolliert wachsen. Die häufigste Form ist das Nierenzellkarzinom.

Die meisten Nierentumoren werden heute zufällig entdeckt – bei einer Ultraschall- oder CT-Untersuchung, die aus einem ganz anderen Grund gemacht wurde, oft bevor überhaupt Beschwerden auftreten.

Mögliche Beschwerden

Blut im Urin · Schmerzen in der Flanke · tastbare Schwellung. Alle drei zusammen sind selten und sprechen dann für ein fortgeschrittenes Stadium. Beschwerden fehlen im Frühstadium häufig ganz – deshalb ist der Zufallsbefund die Regel und nicht die Ausnahme.

Als Risikofaktoren gelten Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und eine familiäre Häufung.

rund 70 %

der Nierentumoren werden im Stadium I entdeckt – also früh und auf die Niere begrenzt.

über 94 %

tumorspezifisches Überleben nach fünf Jahren bei operiertem Frühstadium.

Zahlen aus der unten genannten Literatur. Ihr persönlicher Verlauf hängt von Größe, Lage und Ausdehnung des Tumors sowie von Ihrer Nierenfunktion ab.

Anatomisches Modell einer Niere mit Nebenniere, Nierenarterie und Harnleiter auf einem Ständer.

Am Modell lässt sich zeigen, wo der Befund sitzt und was das für den Eingriff bedeutet.

PD Dr. med. Sami-Ramzi Leyh-Bannurah erklärt einem Patienten am anatomischen Modell einer Niere, wo der Tumor sitzt.

Im Aufklärungsgespräch wird am Modell gezeigt, wo der Befund liegt und wie viel Niere erhalten bleiben kann.

Der Maßstab

Die Niere ist kein Ersatzteil

Ein ganzes Organ zu entfernen, wenn nur ein kleiner Teil erkrankt ist, wäre, als risse man ein Haus ab, weil ein Zimmer saniert werden muss.

Rund eine Million Filtereinheiten

So viele Nephrone enthält jede Niere. Sie reinigen das Blut, regeln den Salzhaushalt und den Blutdruck. Anders als Leberzellen erneuern sie sich nicht – erhaltenes Gewebe bleibt deshalb dauerhaft ein Gewinn.

Gleichwertige Tumorkontrolle

Bei Tumoren bis etwa 7 cm ist die onkologische Sicherheit der Teilresektion gleichwertig. NCCN, AUA und EAU empfehlen sie für diese Befunde als Standard, wo immer sie technisch machbar ist.

Gut für Herz und Kreislauf

Eine gut erhaltene Nierenfunktion schützt langfristig auch Herz und Gefäße und erspart vielen Patienten Einschränkungen bei Ernährung und Blutdruckmedikamenten.

Optionen bleiben offen

Wer Nierenfunktion behält, hat später mehr Spielraum – bei einem erneuten Befund oder bei einer Behandlung, die die Nieren belastet.

Zweitmeinung

Nierentumor festgestellt? Wir prüfen, ob ein organerhaltendes Vorgehen möglich ist.

Die Verfahren

  1. Nierenteilresektion

    organerhaltend

    Entfernt wird nur der Tumor mit einem schmalen Saum gesunden Gewebes; der Rest der Niere bleibt erhalten. Für Tumoren bis etwa 7 cm ist dies der leitliniengerechte Standard, wo immer er technisch machbar ist.

  2. Radikale Nephrektomie

    vollständige Entfernung

    Die gesamte Niere wird mit dem umgebenden Fettgewebe entfernt. Sie ist der richtige Weg bei großen Tumoren und bei Ausdehnung in die Hohlvene.

  3. Nephroureterektomie

    oberer Harntrakt

    Bei Tumoren des Nierenbeckens und des Harnleiters werden Niere und Harnleiter gemeinsam entfernt.

Was entfernt wird

Die gestrichelte Linie zeigt jeweils, was entfernt wird. Der Unterschied ist der ganze Punkt.

Teilresektion – entfernt wird der Tumor mit einem schmalen Saum. Der Rest der Niere arbeitet weiter.

Radikale Nephrektomie – entfernt wird die ganze Niere. Der richtige Weg bei großen Tumoren.

Schematische Darstellungen – keine Patientenaufnahmen. Wie der Eingriff bei Ihnen aussieht, hängt von Lage und Größe des Befundes ab.

Warum roboterassistiert

Die Teilresektion ist der technisch anspruchsvollere Eingriff: Tumor herausschneiden und die Niere wieder verschließen, während die Durchblutung kurzzeitig unterbrochen ist. Genau dafür sind die abwinkelbaren Instrumente und die dreidimensionale, vergrößerte Sicht gemacht – sie machen präzises Nähen unter Zeitdruck beherrschbar.

Gegenüber der offenen Operation über einen Flankenschnitt bedeutet das in der Regel weniger Blutverlust, kleinere Narben und eine kürzere Erholungszeit. Gegenüber der herkömmlichen Schlüssellochtechnik fällt vor allem die kürzere Abklemmzeit ins Gewicht – und genau davon hängt ab, wie gut die Niere ihre Leistung behält.

Operateur in Haube und sterilem Kittel an der Steuerkonsole des da Vinci Systems während des Eingriffs.

Gesteuert wird von der Konsole aus – die Sicht auf das Operationsgebiet ist vergrößert und dreidimensional.

Wieder im Alltag

  • Zugänge

    5–6 Ports

    je etwa ein Zentimeter, kaum sichtbare Narben

  • Autofahren

    1–2 Wochen

    sobald Sie schmerzfrei reagieren können

  • Büroarbeit

    2–3 Wochen

    körperlich schwere Arbeit später

Die kleinen Schnitte heilen rasch. Schwer heben und intensiver Sport sollten etwa vier bis sechs Wochen warten. Die Nierenwerte werden in den Wochen nach der Operation kontrolliert.

Nachsorge

Nach der Operation gehören regelmäßige Kontrollen dazu: Bildgebung und Blutwerte, mit denen sich sowohl der Tumorstatus als auch die Nierenfunktion verfolgen lassen. Im Frühstadium genügen meist ein bis zwei Termine im Jahr; bei fortgeschrittenen Befunden sind die Abstände zunächst kürzer.

Diese Termine dienen zugleich der Kontrolle von Blutdruck und Nierenwerten – beides lohnt die Aufmerksamkeit weit über die Tumornachsorge hinaus.

Ablauf

  1. Vor dem Eingriff

    Schnittbildgebung zur Planung, Laborwerte einschließlich Nierenfunktion, Aufklärung. Blutverdünnende Medikamente besprechen wir rechtzeitig.

  2. Der Eingriff

    Roboterassistiert über wenige kleine Zugänge. Bei der Teilresektion wird die Durchblutung kurzzeitig unterbrochen, der Tumor herausgeschnitten und die Niere wieder verschlossen. Diese Phase wird so kurz wie möglich gehalten.

  3. Nach dem Eingriff

    Frühe Mobilisation. Nach einer Teilresektion kann für ein bis drei Tage eine Drainage liegen. Die Nierenfunktion wird über Blutwerte kontrolliert und stabilisiert sich üblicherweise über die folgenden Monate.

Quellen

Die Angaben auf dieser Seite folgen den Empfehlungen von NCCN, AUA und EAU zur Behandlung des lokalisierten Nierenzellkarzinoms sowie den nachstehenden Übersichtsarbeiten. Ob und wie operiert wird, hängt von Größe, Lage und Ausdehnung des Tumors sowie von Ihrer Nierenfunktion ab; wir besprechen das individuell mit Ihnen.

  • Rose TL, Kim WY. Renal Cell Carcinoma. JAMA 2024;332(12):1001–1010.

  • Campbell SC, Uzzo RG, Karam JA, et al. Renal Mass and Localized Renal Cancer: Evaluation, Management, and Follow-Up — AUA Guideline, Part II. J Urol 2021;206(2):209–218.

  • Stewart GD, Klatte T, Cosmai L, et al. The Multispeciality Approach to the Management of Localised Kidney Cancer. Lancet 2022;400(10351):523–534.

  • Young M, Jackson-Spence F, Beltran L, et al. Renal Cell Carcinoma. Lancet 2024;404(10451):476–491.

Kontakt

Zweitmeinung beim Nierentumor

Ist eine organerhaltende Operation möglich? Bringen Sie Ihre Schnittbilder mit – wir sehen sie uns gemeinsam an.

Sprechstunde

  • Mittwoch · 14:00 Uhr
  • Donnerstag · 08:30–16:00 Uhr

PD Dr. med. Sami-Ramzi Leyh-Bannurah. Termine über das Urologische Sekretariat.